Am 30.10.2020 waren wir mit der NAJU Osnabrück, der Jugendorganisation des NABU, im Nordosten des Landkreises unterwegs. Die NAJU führt dort im Naturschutzgebiet "Venner Moor" regelmäßig Arbeitseinsätze durch um das Zuwachsen des seltenen Ökosystems mit Bäumen zu verhindern. Dabei haben wir sie diesmal begleitet und mit Heckenscheren, Freischneidern und Sägen junge Birken und Kiefern aus dem Moor entfernt. Exkursionsleiter Jonas Boldt hat uns nebenher mit interessanten Infos über das Ökosystem Moor und seine Bedeutung versorgt.

Jonas Boldt

Entkusseln im Venner Moor

Wer etwas Gutes für seine Umwelt tun möchte, der sollte einen Baum pflanzen, sagen manche. Wir merken an: Wer etwas Gutes für seine Umwelt tun möchte, muss gelegentlich auch Bäume fällen. Genau das passiert nämlich beim sogenannten „Entkusseln“. Denn das Aufwachsen junger Gehölze („Kussel“) gefährdet manch wertvolles Biotop, beispielsweise das Venner Moor wenige Kilometer nördlich von Osnabrück. Eigentlich sind Moorböden so nass und nährstoffarm, dass sich hier überhaupt keine Gehölze ansiedeln können. Doch wie rund 95% der Moorflächen in Deutschland ist auch das Venner Moor im Vergangenen Jahrhundert durch den Menschen massiv verändert worden. So wurden beispielsweise Entwässerungsgräben geschaffen um den Moorkörper trocken zu legen und das Torf abzubauen. Überlässt man solche Flächen sich selber, laufen schnell Pionierbäume wie Birken oder Kiefern auf. Diese ziehen zusätzlich Wasser aus dem Boden, beschatten die krautige Moorvegetation oder lassen durch herabfallendes Laub eine Humusschicht entstehen, was die Sukzession weiter beschleunigt. Das ursprüngliche Moor mit seinen angepassten Tier- und Pflanzenarten ist dann verloren.

Wertvoller Lebensraum          

Wer Moore als lebensfeindliche Standorte im Kopf hat, der liegt nicht ganz falsch. In einem Hochmoor wie dem Venner Moor kommen Wasser und Nährstoffe ausschließlich mit dem Regen, da eine Anbindung an das Grundwasser fehlt. Von diesen extremen Bedingungen profitieren jedoch einige Spezialisten, wie etwa der rundblättrige Sonnentau, welcher seinen Nährstoffbedarf über das Fangen und Verdauen von Insekten deckt. Zu den charakteristischen Pflanzenarten im Moor zählen außerdem die Torfmoose. Sie bilden große tote Zellen aus, welche nach starken Regenfällen das Wasser wie ein Schwamm aufsaugen können. Außerdem säuern Torfmoose ihre Umgebung an, wodurch wiederum eine ökologische Nische für andere, säuretolerante Organismen entsteht. Nicht zuletzt stellen Moore auch wichtige Lebensräume für einige Tierarten dar, wie etwa für den Moorfrosch, die Kreuzotter oder die Sumpfohreule.

Kippelement im Klimasystem

Moore zu erhalten ist aber nicht nur aus Sicht des Artenschutzes sinnvoll. Im nassen, leicht sauren Moorboden wird organisches Material nur unvollständig abgebaut. Der in den Torfmoosen gebundene Kohlenstoff verbleibt also nach deren Absterben im Boden und wird zunehmend komprimiert – es entsteht Torf. Über Jahrtausende fungierten Moore daher als wichtige Kohlenstoffsenken. Schon eine 15cm mächtige Torfschicht speichert etwa so viel Kohlenstoff wie ein einhundert Jahre alter Wald auf derselben Fläche, und in den meisten Mooren beträgt die Torfmächtigkeit viele Meter. Wird ein torfhaltiger Boden entwässert, setzen schlagartig Abbauprozesse ein in deren Verlauf der Kohlenstoff wieder als CO2 in die Atmosphäre gelangt. Aus einer ehemals wichtigen Kohlenstoffsenke wird ein ebenso bedeutsamer Emittent des Treibhausgases.

Die NAJU Osnabrück

Angeleitet wurde der Arbeitseinsatz im Venner Moor von der Naturschutzjugend (NAJU) Osnabrück. Sie ist die Jugendorganisation des NABU Osnabrück, welcher bereits seit über dreißig Jahren auf den Moorflächen tätig ist. Wie die OSBG freut sich auch die Naturschutzjugend jederzeit über neue Mitstreiter*innen. Neben den praktischen Einsätzen im Moor arbeitet die NAJU Osnabrück derzeit gemeinsam mit der Stadt an Konzepten zur ökologischen Umgestaltung städtischer Friedhöfe und betreut eine Kindergruppe. Außerdem soll im kommenden Jahr ein eigener Podcast zum Natur- und Umweltschutz in der Region starten. Wer Interesse hat mitzuwirken findet die Gruppe im Internet unter nabu-os.de/naju/ sowie auf Facebook und Instagram unter naju_osnabrueck.